German review @ Amusio.com

Die achtköpfige Formation Loxandra, deren Stil an einem speziellen Platz im breiten Spektrum der World Music verortet werden kann, ist seit längerem ein Begriff im Mutterland Griechenland. Aber erst mit seinem am 20. April erscheinenden Album In transition emanzipiert sich die Band endgültig von der reinen Pflege vorhandenen Liedguts; es sind etliche Stücke auf der aktuellen CD, die von den Musikern, unter denen ein paar neue Gesichter zu finden sind, vollkommen selbstständig entwickelt wurden.

Ensemble-Vordenker Nikos Tzannis-Ginneroup, der gleichzeitig als Architekt arbeitet, erteilt der heute ausgreifenden kommerziellen Aufweichung der für die Balkanländer und den Nahen Orient charakteristischen modalen Tonleitern, Harmonien und melodischen Fügungen eine deutliche Absage, die leichte Muse hat damit in keinem der eingespielten Titel eine Chance. Ebenso wenig hält er von der Adaption eines traditionellen Instrumentariums durch den Jazz. Vielmehr geht es ihm um die Exponierung der strukturellen Substanz alten Liedguts und die Entwicklung des Vorhandenen hin zu neuen harmonischen Kombinationen und Klangfarben. In transition ist dafür der passende Terminus: Vorhandenes wird während des Spiels in Neues verwandelt.

Die bewegliche, manchmal tremolierende, manchmal im Glissando geführte Stimme der Sängerin Ria Ellinidou drängt sich nie in den Vordergrund, verbleibt vielmehr auf einer dynamischen Linie zwischen Piano und Mezzoforte. Gleichermaßen eignet sie sich so für (tanzbare und im Falle von Giati thes na fygeis auch volkstümliche) Lieder verschiedener Herkunft, sei es für das aus den 1920er Jahren stammende Ti se mellei esenane, Kai ti den kano von Akis Panou oder den von Makis Baklatzis, Dimitris Panagoulias und Kyriakos Tapakis übernommenen Balkan Salsa.

Instrumente werden bei Loxandra dort ausgetauscht, wo es sich anbietet, etwa im Schlusstitel Milia: Hier übernimmt das Daouli die in der Region Epiros dominante Rolle des Tambourins (Def). Von dort, genauer aus der Stadt Metsovo rührt das Stück selbst her, dessen zentrale Melodie von Makis Baklatzis gesungen wird. Neben dem Daouli liegt der Hauptpart, wie lokal üblich, bei der Klarinette, mit der Loxandras Virtuose Nikos Angousis schon in Ipirotiko brilliert, das in seiner Basis selbstredend der gleichen teils noch sehr ursprünglich wilden Landschaft entspringt. Bei der vielfältigen Adaption von Stilen und Instrumentarium bleibt die Klangatmosphäre des Ensembles abgesehen von Ausreißern im Balkan Salsa doch seiner griechischen Herkunft deutlich hörbar verpflichtet.

Wir danken Loxandras deutscher Promo-Agentur Soulfire Artists für die zur Verfügung gestellten Materialien.

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